Culture & Health: Wieviel Potential steckt im Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Gesundheit?
Was passiert, wenn Kunst und Gesundheit nicht mehr als zwei getrennte Bereiche gedacht werden?
Der Artikel „Culture & Health: Wie viel Potenzial steckt im Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Gesundheit?“ beschäftigt sich mit der Verbindung von Kunst, Kultur und Gesundheit und ihrer Bedeutung für Gesundheitsförderung und psychisches Wohlbefinden. Ausgehend vom Culture & Health Forum 2026 in Wien, auf dem Forschungsergebnisse, europäische Initiativen und konkrete Projekte aus dem Bereich Kunst und Gesundheit vorgestellt wurden. Der Artikel zeigt, warum neben engagierten Einzelprojekten auch langfristige Strukturen und Finanzierung notwendig sind. Abschließend beschreib ich, wie ich selbst psychische Gesundheit durch Illustration sichtbar machen und kreative Angebote entwickeln möchte.
Mit der Frage, was passiert, wenn Kunst und Gesundheit zusammen gedacht werden, bin ich zum Culture & Health Forum in der Brotfabrik in Wien gekommen. Anfang September 2026 kamen dort Menschen aus Kunst, Gesundheit, Forschung und Politik zusammen, um darüber zu sprechen, welchen Beitrag Kunst und Kultur zu Gesundheit, psychischem Wohlbefinden und sozialer Verbundenheit in unserer Gesellschaft leisten können.
Für mich war das Forum vor allem eine Bestätigung. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich schon damit, wie Illustration psychologische und gesundheitliche Themen sichtbar und verständlich machen kann. Die Gespräche und Projekte beim Forum haben mir gezeigt, dass diese Verbindung nicht nur für mich interessant ist. Sie ist Teil einer größeren europäischen Entwicklung.
Kunst und Gesundheit werden zunehmend zusammen gedacht
Zunächst stellt sich die Frage, was eigentlich gemeint ist, wenn wir von Kunst im Zusammenhang mit Gesundheit sprechen. Es geht dabei nicht nur um Werke, die von Künstlern und Künstlerinnen geschaffen und anschließend von anderen betrachtet oder konsumiert werden. Auch das kann unser Wohlbefinden beeinflussen. Der Begriff muss in diesem Zusammenhang jedoch weiter gefasst werden.
Es geht ebenso um kreatives Gestalten und Erleben. Das kann durch das Betrachten, Hören oder Erleben kultureller Angebote geschehen, aber auch ganz wesentlich durch das eigene Tun. Menschen können selbst gestalten, musizieren, tanzen, schreiben, Theater spielen oder gemeinsam kreativ arbeiten. Die Möglichkeiten reichen von Musik, Tanz und Literatur über bildende Kunst und Museen bis hin zu Architektur und partizipativen Formaten.
Auf europäischer Ebene gibt es mittlerweile konkrete Bestrebungen, Kultur und Gesundheit stärker miteinander zu verbinden. Das CultureForHealth-Projekt der Europäischen Union hat die vorhandene Forschung zu diesem Thema zusammengetragen und daraus Empfehlungen für Politik und Praxis entwickelt. Auch die CultureAndHealth Platform vernetzt Akteure aus 15 europäischen Ländern und stärkt die Zusammenarbeit zwischen Kunst, Gesundheit, Pflege und sozialen Bereichen.
Beim Culture & Health Forum 2026 in Wien wurde deutlich, dass diese Entwicklung auch auf politischer Ebene angekommen ist. Vertreter der Europäischen Kommission, der WHO, der UNESCO und der österreichischen Ministerien diskutierten darüber, wie Erkenntnisse aus Forschung und Praxis stärker in politische Strategien und Strukturen einfließen können.
Diese zunehmende politische Anerkennung des Kulturbereichs finde ich bemerkenswert und gleichzeitig überfällig. Denn kreative und kulturelle Angebote können vergleichsweise niederschwellige Möglichkeiten bieten, einen Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden in der Gesellschaft zu leisten. Sie können Menschen erreichen, ohne dass dafür zwangsläufig ein medizinischer oder therapeutischer Kontext notwendig ist. Genau darin sehe ich ein großes Potenzial, das meiner Meinung nach noch stärker genutzt werden könnte.
Kulturelle Angebote können niederschwellige Möglichkeiten bieten, Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern, auch außerhalb medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen.
Die Forschung als Grundlage für neue Projekte
„Kunst und Kultur sind kein Luxus. Sie sind wirksame Elemente von Gesundheitsförderung, Prävention und psychosozialer Unterstützung“, sagt Klaus Ropin vom Fonds Gesundes Österreich. Diese Aussage stützt sich auf eine wachsende wissenschaftliche Grundlage.
Bereits 2019 veröffentlichte die WHO eine umfangreiche Übersichtsarbeit zur Rolle von Kunst für Gesundheit und Wohlbefinden. Das EU-Projekt CultureForHealth wertete weitere Forschung aus und identifizierte sowohl Erkenntnisse als auch offene Fragen.
Kulturelle Aktivitäten können unter anderem das psychische Wohlbefinden stärken, soziale Verbundenheit fördern und zur Prävention beitragen. Auch für therapeutische Zusammenhänge gibt es Forschung. Das bedeutet allerdings nicht, dass Kunst eine Therapie ersetzt oder jede kreative Aktivität automatisch gesund macht. Entscheidend sind die jeweilige Aktivität, der Kontext und die Art der Umsetzung.
Unterschiedlichste Ansätze an kultureller Teilhabe
Beeindruckend war beim Forum die Vielfalt der vorgestellten Ansätze. Da gab es etwa Theatervorstellungen für belastete Mütter von Neugeborenen, die in Finnland direkt zu Hause stattfinden, musikalische Pausen mit Live-Barockmusik für Pflegekräfte in österreichischen Krankenhäusern, eine Fotoausstellung mit Porträts von älteren Menschen in Slowenien oder einen Tanzworkshop für Jugendliche eines Polytechnischen Lehrgangs in Wien.
Auch Themen wie Einsamkeit, Autismus, Kriegserfahrungen oder die Lebenswelt von Jugendlichen wurden aufgegriffen. Das hat für mich deutlich gemacht: An Ideen und Kreativität, wie Kunst und Kultur im Gesundheitsbereich eingesetzt werden können, fehlt es keineswegs.
„Kunst und Kultur sind kein Luxus. Sie sind wirksame Elemente von Gesundheitsförderung, Prävention und psychosozialer Unterstützung“
Klaus Ropin- Fonds Gesundes Österreich
Von einzelnen Projekten zu nachhaltigen Strukturen
Was viele dieser Initiativen verbindet: Sie leben vom Engagement einzelner Menschen. Gleichzeitig müssen sie immer wieder um finanzielle Ressourcen kämpfen. Es braucht viel Überzeugungsarbeit, um neue Kooperationen anzustoßen und Institutionen davon zu überzeugen, dass solche Angebote einen Wert haben.
Solange engagierte Menschen die nötige Zeit, Energie und Finanzierung aufbringen können, funktionieren diese Initiativen. Damit kulturelle Angebote aber langfristig einen festen Platz in Gesundheitsförderung, Prävention oder Versorgung bekommen, braucht es mehr.
Genau deshalb wurde beim Forum auch darüber gesprochen, wie Erkenntnisse aus Forschung und Praxis in politische Strategien und nachhaltige Strukturen übersetzt werden können. Auch der EU-Bericht Culture and Health: Time to Act, der 2026 vorgestellt wurde, fordert, Kultur nicht nur über einzelne Projekte als gesundheitsrelevanten Faktor zu berücksichtigen, sondern langfristig in Strukturen, Zuständigkeiten und Finanzierung zu verankern.
Dazu gehört für mich ganz wesentlich auch die Frage der Finanzierung. Wenn Kreative dauerhaft mit Institutionen aus Gesundheit, Pflege oder Bildung zusammenarbeiten sollen, müssen solche Leistungen entsprechend budgetiert werden. Persönliches Engagement ist wichtig und kann vieles möglich machen. Auf Dauer reicht es aber nicht aus. Es braucht ein Bewusstsein für den Wert dieser Arbeit und die entsprechenden Budgets, damit gute Ideen nicht von der nächsten Förderperiode abhängen und auch die Menschen, die sie entwickeln und umsetzen, davon leben können.
Cuture & Health und die Verbindung zu meiner Arbeit
Das Culture & Health Forum hat mich auch darin bestärkt, meinen eingeschlagenen Weg weiterzugehen: psychische Gesundheit durch Illustration sichtbar zu machen. Gleichzeitig beschäftigt mich der Gedanke, wie ich selbst noch auf andere Weise zur Verbindung von Kunst und Gesundheit beitragen kann.
Mit Illustration möchte ich Botschaften rund um psychische Gesundheit verständlich vermitteln. Darüber hinaus möchte ich in Zukunft auch andere Menschen dazu anregen, die Freude am kreativen Gestalten und die damit einhergehende Entspannung für sich zu entdecken.
Eine Möglichkeit sehe ich in Workshops, bei denen nicht das fertige Ergebnis im Mittelpunkt steht, sondern der kreative Prozess selbst. Wie solche Formate konkret aussehen werden, entwickle ich gerade.
Das Forum hat mir gezeigt, dass ich mit diesen Überlegungen nicht allein bin. Viele Menschen und Initiativen arbeiten bereits an der Schnittstelle von Kunst und Gesundheit. Welche konkreten Formen mein eigener Weg noch annehmen wird, wird sich mit der Zeit zeigen.
Nicola Hammerschmied ist Illustratorin, Designerin und Gründerin von FineArtNicola.
In ihrer Arbeit hat sie sich darauf spezialisiert, psychische Gesundheit durch Illustration sichtbar und verständlich zu machen. In ihrem Shop bietet sie stärkende Kunstdrucke und Illustrationen zu Themen wie psychischer Gesundheit an, die in Gesundheitseinrichtungen ihren Platz finden.









